Forschungsprojekt: Modulares Leben und Arbeiten

Problemstellung

Die Lebensrealität in der Metamoderne kann recht komplex werden: Leben an mehreren Orten in Stadt und Land, Arbeiten in verschiedenen Konstellationen – angestellt, selbständig – auch an verschiedenen Orten oder in Patchworkfamilien. Um darin nicht an Überforderung unterzugehen, sondern den Überblick zu behalten, Körper und Seele daran gesund und glücklich zu halten, braucht es einiges an Organisationsgeschick. In dem Forschungsprojekt „Modulares Leben und Arbeiten“ untersuchen wir dafür Strukturen, Prozesse und Prinzipien, um die komplexen Anforderungen eines modularen Lebens erfolgreich zu bewältigen.

Dies betrifft einen signifikanten Anteil der Bevölkerung: In Deutschland prägen schätzungsweise 1,2 bis 1,6 Millionen Patchwork-Familien, über 20,6 Millionen Pendler sowie rund 4,8 Millionen digitale Nomaden eine zunehmend modulare Gesellschaft, die durch hohe räumliche und strukturelle Flexibilität definiert wird.

Grundannahmen

  • Komplexität ist kein Ausnahmezustand, sondern die neue Normalität,
  • Ordnung ist weder Pflicht noch reine Ästhetik, sondern dient rein der Reduktion von Stress- und Unsicherheit
  • Die Komplexität entsteht durch Logistik zwischen Orten, die materiellen Dinge und die Verhaltens-Routinen
  • Stress entsteht durch Unsicherheit in den Verhaltensweisen und Routinen,

Mögliche Forschungsmethoden

  • Autoethnografie: systematische Reflexion der eigenen modularen Lebensführung; ermöglicht den Zugang zu phänomenologischen Einsichten, die rein externe Beobachtungen oft übersehen
  • Artefakt-Analyse: Untersuchung konkreter physischer Gegenstände; liefert die empirische Basis für die Gestaltung der Ordnungsprinzipien.
  • Tagebuch führen: Personen dokumentieren über einen längeren Zeitraum ihre alltäglichen Übergänge und Belastungsmomente, um die spezifischen Stressoren im dynamischen Prozess des Ortswechsels präzise zu identifizieren.
  • Cultural Probes: Beobachtung der Teilnehmer, durch Forscher oder durch Selbstbeobachtung, zur Ermittlung von Bedürfnissen und Widerständen
  • Shadowing: Die direkte Begleitung von Personen bei ihren physischen Wechseln zwischen den Lebenswelten macht die Diskrepanz zwischen theoretisch geplanten Routinen und der tatsächlichen logistischen Realität unmittelbar sichtbar.
  • Social Network Analysis (SNA): Die kartografische Visualisierung sozialer Beziehungen über verschiedene Standorte hinweg deckt die „relationale Last“ auf und hilft, Strukturen für ein stabiles Beziehungsmanagement zu definieren

Welche der Forschungsmethoden tatsächlich eingesetzt werden können, hängt stark von der Verfügbarkeit und Offenheit der Probanden ab.

Mögliche Lösungsbausteine

  • Design-Prinzipien zur Ausgestaltung von Lösungen:
    • Funktionalität über Bedürfnis- und Nutzen-Zentrierung,
    • Minimalismus
  • Ordnungsprinzipien:
    • funktionale Packeinheiten
    • Marie Kondo Ordnungslogik
  • Effektivität und Effizienz nach Selbstmanagement-Systemen wie u.a.:
    • 7 Wege der Effektivität
    • Getting Things Done
  • Beziehungsmanagement mit
    • Gewaltfreier Kommunikation,
    • Soziokratie
  • Trauma-Informiertheit

Quellen für die Schätzung der Prävalenz

  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Daten zu Pendlerzahlen und Haushaltsstrukturen (Mikrozensus).
  • Bundesagentur für Arbeit: Detaillierte Statistiken zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung und Arbeitsmobilität.
  • BMFSFJ (Bundesministerium für Familie): Studien zur Lebensrealität von Patchwork-Familien in Deutschland.
  • Bitkom / Statista: Erhebungen zum Anteil von Remote Work und ortsunabhängigem Arbeiten (Digital Nomads).