Buchprojekt: Die Kunst des Liebens im Tun – Erich Fromm trifft Frederic Laloux

Es ist ein auf den ersten Blick vielleicht ungewöhnlich klingendes Forschungsprojekts dazu, was Wirtschaft und Gesellschaft mit Liebe zu tun haben. Es geht aus von der These, dass die für uns moderne Menschen scheinbar normale Spaltung zwischen Liebe einerseits und wirtschaftlichem Erfolg andererseits eine geschichtlich kurze Episode der Menschheit ist – die sie aber nur dann würdevoll überleben wird, wenn sie möglichst bald darüber hinüber wächst. Und es beruht auf solchen Unternehmerinnen und Unternehmern, die dies bereits auf diese oder jene Weise erfolgreich praktizieren. Mit ca. 40 von diesen, mit 20 Unternehmerinnen und 20 Unternehmern – so u.a. mit Saskia Biskup (CeGaT GmbH), Heinrich Kronbichler (WBS-Training Group), Nicola Osypka (OSYPKA AG), Bodo Jannsen (Upstalsboom-Hotels) , Gerd Gerken (Skin-Care-Produkte), Marion Schneider (Toskanaworld-Wellneshotels) u.a. – führten wir Interviews zu diesem Thema.

In seinem Buch „Die Kunst des Liebens“ untersucht Erich Fromm verschiedene Dimensionen der Liebe – die Selbstliebe, die Elternliebe, die romantische Liebe, die erotische Liebe und die religiöse Liebe. Er zeigt, dass all diese nicht zufällig mit demselben Wort „Liebe“ bezeichnet werden, sondern deshalb, weil sie verschiedene Facetten derselben grundlegenden Energie des Universums sind. Und eher am Rande des Buches beschreibt er noch eine weitere Dimension der Liebe: die produktive und schöpferische Liebe. Ein Zitat daraus: „Echte Liebe ist Ausdruck inneren Produktivseins und impliziert Fürsorge, Achtung, Verantwortungsgefühl und Erkenntnis.  Sie ist kein Affekt …., sondern sie ist ein tätiges Bestreben“ … menschliches Wachstum und Glück zu fördern“. (Erich Fromm: Die Kunst des Liebens, S.73, München 2007)

Frederic Laloux zeigt in seinem weltweiten Bestseller „Reinventing Organizations“ (Vahlen-Verlag) drei Grundwerte und Qualitäten von Unternehmen und Organisationen, welche in ungewöhnlicher Weise sowohl wirtschaftlich als auch menschlich erfolgreich sind: Selbstführung, Ganzheitlichkeit und evolutionärer Sinn. Und ähnlich wie Erich Fromm eher nebenbei erwähnt er mehrfach einen gemeinsamen Grund dieser drei Grundwerte: seelisch erfüllende Liebe. Um dies nachzufühlen einige Zitate seines Buches:

„Unternehmen handeln entweder aus der Angst des Egos oder aus der Liebe der Seele.“ (42 / 52)

„Immer mehr Menschen sehnen sich danach, beseelte Organisationen zu schaffen, wenn sie nur wüssten, wie das möglich ist.“

„Mit zunehmendem Alter spüre ich immer klarer und deutlicher, … wie lächerlich alles ist, das keine eigene Bedeutung und keine eigene Seele hat und mich nicht mit Liebe erfüllt.“  (156 / 202)

Um besser zu verstehen, wie sich dies konkret in unternehmerischen Kontexten verwirklichen lässt, interviewten wir einige Dutzend erfolgreicher Unternehmerinnen und Unternehmer, und dazu einige Wissenschaftler und Künstler dazu. Wir befragten Sie konkret dazu, inwiefern das, was wir hier mit Bezug auf Erich Fromm kurz „produktive“, oder auch schöpferische bzw. kokreative Liebe nennen, tatsächlich ein entscheidendes Motiv und vielleicht auch Erfolgsgeheimnis ihres Handels ist. …

Die Synthese der oben umrissenen Grundgedanken von Erich Fromm und Frederic Laloux ergibt die folgenden drei Kapitel dieses Buches:

  1. Als eine wesentliche Facette aller Liebe beschreibt Erich Fromm die Selbstliebe. Bei Frederic Laloux wiederum ist Selbstführung einer seiner drei Grundwerte erfüllt-erfolgreich-engagierter Unternehmen. Wie beides zusammenhängt, und was erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer aus ihrer eigenen Erfahrung dazu sagen, ist Inhalt des ersten Kapitels des Buches.
  2. Das zweite Kapitel widmet sich der Ganzheitlichkeit der Liebe. Erich Fromm schrieb seinen Longseller letztlich vor allem deshalb um zu zeigen, dass unsere moderne Spaltung der Liebe ungesund und unpraktisch ist. Die Schattenseiten unserer heutigen Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur beruhen möglicherweise nicht unwesentlich darauf, dass unsere schöpferisch-kreative und produktive Liebe zu wenig mit romantischer Liebe und all diese zu wenig mit Selbstliebe zu tun haben; und dass die religiöse oder spirituelle Liebe noch einmal von all diesen abgespalten ist. Bei Frederic Laloux ist Ganzheitlichkeit des Fühlens, Denkens und Tuns der zweite der Grundwerte, die den Erfolg entsprechender Unternehmen ausmachen. Also befragten wir unsere Unternehmerinnen und Unternehmer auch dahingehend, inwieweit Liebe ein wesentlicher Kraftquell ihrer Kreativität und ihres unternehmerischen Erfolgs ist.
  3. Als dritten Grundwert erfüllt-erfolgreicher Unternehmen identifiziert Frederic Laloux ihren „evolutionären Sinn“. Das heißt diese Unternehmen und Organisationen sind nicht allein oder nicht primär auf kurzfristigen Gewinn orientiert, sondern auch auf einen langfristigen Beitrag zur weiteren Entwicklung der Menschheit und unseres Planeten Erde. Erich Fromm beschreibt mit anderen Worten etwas letztlich wahrscheinlich Identisches: Wirkliche Liebe, egal ob sie sich gerade als kreative, romantische oder Selbstliebe äußert, ist nie allein an einer kurzfristigen egozentrischen Bedürfnisbefriedigung interessiert. Ihre Stärke, Schönheit und Wirkung erwächst vielmehr daher, dass sie ein nachhaltiges Glück und Erblühen des Geliebten, des Anderen, letztlich aller Wesen dieser Welt erträumt und unterstützt.

Da es hier also darum geht, seine eigenen Potentiale der Liebe mit anderen Menschen, aber auch Lebewesen, oder gar der Erde und der Evolution insgesamt kreativ zu verbinden, lässt sich dieser Grundwert auch als „KoKreativität“ bezeichnen. Inwieweit dies auch ein wesentliches Motiv und Erfolgsgeheimnis unserer interviewten Unternehmerinnen und Unternehmer ist, erfahren Sie im dritten Kapitel des künftigen Buches.

Das Projekt verdankt sich der kokreativen Zusammenwirkung mehrerer Menschen. Dabei in erster Linie zu nennen sind die Kulturwissenschaftlerin Melanie Bitzer und die Wirtschaftswissenschaftlerin Victoria Meneses, welche all die Interviews durchführten, transkribierten und auswerteten, sowie die Soziologin und Gesundheitswissenschaftlerin Yve Stöbel-Richter für die Beratung und der Unternehmer und Stifter Karl Schlecht für die Förderung dieses Projekts. Darüber hinaus danken wir allen Interviewten für ihre Zeit, für ihre Offenheit für dieses Thema und für ihren Mut, mit so einem für die heutige Wirtschaftstheorie noch ungewohnten Thema auch in die Öffentlichkeit zu treten.

2 Gedanken zu “Buchprojekt: Die Kunst des Liebens im Tun – Erich Fromm trifft Frederic Laloux”

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